03.07.2009
Mit Schwung durch die Krise
Noch wiegen sich Österreichs Unternehmen in relativer Sicherheit, doch das könnte sich bald ändern:
Fast alle Befragungsteilnehmer (95,7%) rechnen in diesem Jahr mit Auswirkungen der Finanzkrise. Besonders durch die Ankurbelung des Vertriebs und die Erschließung neuer Absatzmärkte planen die Unternehmen, einem Umsatzminus vorzubeugen.
Doch die laufende Bonitätsprüfung von Geschäftspartnern zur Vermeidung von Zahlungsausfällen zählt trotz Krise nach wie vor nicht zur gelebten Praxis: nur 19,8 Prozent prüfen laufend. Dies geht aus der aktuellen Kundenbefragung der KSV1870 Information GmbH hervor.
Aktuell schätzen 51,6 Prozent der Befragten die Geschäftslage als sehr gut oder gut ein. 35,3 Prozent sprechen von einer befriedigenden Situation und für 13,1 Prozent ist die Lage momentan mangelhaft bzw. ungenügend.
Noch ist die Geschäftslage also gut, doch 95,7 Prozent der Befragten rechnen in diesem Jahr mit Auswirkungen der Krise, allen voran Kundenausfälle (59,0%), höherer Preisdruck (57,3%) und ein stagnierendes/rückläufiges Neukundengeschäft (47,4%). Rund ein Drittel geht auch davon aus, dass Kreditbewilligungen schwieriger werden (32,8%).
Prognose: Ein Viertel will Personalstand reduzieren. 24,8 Prozent der Befragten rechnen mit einer Verringerung des Personalstands im laufenden Jahr. Mehr als die Hälfte (57,9%) kalkuliert momentan mit demselben Mitarbeiterstand und 17,3 Prozent gehen davon aus, dass sie Personal aufnehmen werden.
Neue Märkte, neuer Umsatz. 95,6 Prozent wollen im laufenden Jahr strategische Maßnahmen umsetzen, um Auswirkungen der Krise auf ihr Unternehmen zu dämpfen. Konkret versuchen sie dies durch die Erschließung von neuen Absatzmärkten (50,3%), durch mehr Informationen über Geschäftspartner (39,4%) und durch neue Produkte bzw. eine Neuausrichtung des Portfolios (36,8%). Zusätzlich wollen sie die Finanzstrukturen anpassen (36,0%), Innovationsvorhaben aufschieben (32,0%) und Produktionsprozesse optimieren (31,4%).
Ebenso sind fast alle Unternehmen (96,2%) willens, operative Maßnahmen umzusetzen. Ganz oben auf der Agenda stehen: Vertrieb ankurbeln (54,7%), Lieferanten/Einkauf optimieren (48,3%), Außenstände reduzieren (45,8%), Kostensenkungsprogramme einführen (40,4%) und Personalkosten senken (32,3%).
Bonitätsprüfung nur fallweise. Österreichs Unternehmen haben sich mit laufenden Bonitätschecks ihrer Geschäftspartner noch nicht angefreundet: Nur jedes fünfte befragte Unternehmen (19,8%) gab an, laufend aktive Bonitätsinformationen über Geschäftspartner einzuholen. Anlassbezogen also dann, wenn beispielsweise bereits Zweifel an der Zahlungsmoral bestehen, werden Bonitätsinformationen von 70,4 Prozent eingeholt. Nachdem Zahlungsschwierigkeiten aber oft sprunghaft auftreten, sind anlassbezogene Bonitätschecks kein lückenloses Sicherheitsnetz zur Vermeidung von Zahlungsausfällen. Immerhin 9,8 Prozent der Befragten halten Bonitätsprüfungen sogar für gänzlich überflüssig und informieren sich nie über die finanzielle Situation ihrer Kunden und Lieferanten.
Erst die Emotionen, dann die Fakten. Über das Zustandekommen einer Geschäftsbeziehung entscheidet in der Regel ein Mix aus Emotionen - wie Bauchgefühl, Empfehlungen, Referenzen und Fakten, beispielsweise Preis, Wirtschaftskennzahlen oder auch Bonität. Besonders Unternehmen mit einem Umsatz von unter zwei Mio. Euro setzen stark auf Empfehlungen, Bauchgefühl und persönliche Kontakte. Unternehmen mit hohen Umsätzen – besonders jene mit mehr als 100 Mio. Euro – verlassen sich außergewöhnlich stark auf Wirtschaftskennzahlen und Bonitätsinformationen. Zudem gehen sie auch eher ein Risiko ein, wenn die Gewinnaussichten hoch sind, als Unternehmen mit geringem Umsatz – daran scheint auch die Krise nichts zu ändern.




Drucken
Empfehlen
Kommentieren
Share
Kommentar schreiben



