17.12.2008
Neue(r) wohnwer[f]t am Rhein
Das Rheinpanorama im Süden Kölns wandelt sich. Das neue städtebauliche Konzept sieht eine Revitalisierung der innerstädtischen, etwa zwei Kilometer langen und 300 Meter breiten Brache vor. Die historischen, denkmalgeschützten Speicherhäuser – das „kölsche Siebengebirge” – mit ihren markanten Giebeln sollen, ebenso wie die hafentypische Ausstattung mit Kaimauern, Brücken und Kränen, erhalten bleiben. Neubauten sollen ergänzt werden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Entstanden ist eine abwechslungsreiche Wohn-, Geschäfts- und Bürobebauung in prominenter Lage unweit der Altstadt.
Urlaub zuhause. Die Wohn- und Geschäftshäuser „wohnwer[f]t” greifen – wie der Kölner Architekt Bernd Römer erklärt – die rhythmische Gliederung der traditionellen Speicherhäuser, zeitgemäß umgesetzt, auf. Die neu entstandenen fünf-geschossigen Häuser variieren den Wechsel von Transparenz und Masse mehrfach: Nahezu grafisch gestaltet, sind die Stirnseiten der Wände und Decken zu einem Muster zusammengefasst – Hell und Dunkel im Kontrast. Zudem ist die Fassade plastisch durchgebildet. Die Wohneinheiten springen in der Tiefe vor und zurück. Auch dadurch werden die zahlreichen verschiedenen Wohnungszuschnitte außen ablesbar. Die Loggien sind in der Brüstungsebene mit geschosshohen, horizontal gleitenden Ganzglas-Schiebeelementen ausgestattet. Die filigranen, kaum sichtbaren Systemprofile vermitteln Transparenz und Leichtigkeit. Sie integrieren sich gestalterisch in nahezu jede Architektur. Die rahmenlosen Glaselemente lösen sich optisch von der Konstruktion.
In Vorarlberg haben rahmenlose Loggia-Verglasungen Tradition. Das Bregenzer Spezialunternehmen Glas Marte hat diese Tradition entwickelt und zur Perfektion geführt. Da jeder Bewohner die reflektierenden Schiebe-Elemente individuell positioniert, ändert sich die Textur der Fassade ständig.
Die der Stadt und dem Hafenbecken zugewandte Westseite der wohnwer[f]t präsentiert sich als zurückhaltende Putzfassade, gegliedert durch nahezu flächenbündig eingesetzte Fenster – in Format, Lage und Unterteilung grafisch variiert – sowie gelegentliche Vor- und Rücksprünge.
Grünes Zimmer am Wasser. Die bewegliche Verglasung der rheinseitigen Loggien ermöglicht den Bewohnern eine deutlich erweiterte Nutzung. Die Loggia wird zu einem zusätzlichen Zimmer. Im meist milden Kölner Klima und durch den Fluss, der Temperaturextreme entschärft, verlängert die thermische Pufferzone der Sommer erheblich ins Frühjahr und in den Herbst. Sollte es etwas zu windig sein, werden die Scheiben geschlossen. Außerdem profitieren die Nutzer von zusätzlichem Schallschutz, Wind- und Wetterschutz, Sichtschutz und erhöhter Energieeinsparung.
In der wohnwer[f]t kam das System „GM Lightroll 10/12” von Glas Marte zum Einsatz. Die einzelnen Elemente bestehen aus Einscheiben-Sicherheitsglas mit Glasstärken von 10 und 12 Millimeter. Das System „GM Lightroll 10/12” ist ein rahmenloses, einfach zu montierendes Schiebesystem mit unten laufenden Ganzglas-Schiebeelementen. Die Schiebegläser laufen auf zwei, drei oder vier Bahnen und lassen sich nach rechts oder links verschieben. Die mechanischen Elemente des nahezu wartungsfreien Systems bestehen aus Aluminium bzw. Edelstahl. Die spezielle Konstruktion gleicht Ausdehnungen und geringfügige Bauhöhenveränderungen im Element aus – ein Vorteil für eine störungsfreie und wartungsarme Funktionalität des Systems.
Individuelles Wohnen. Die Baukonstruktion ist in Schottenbauweise errichtet. Das Basismodul einer Wohneinheit bietet etwa 60 Quadratmeter Wohnfläche. Mit diesem Modul haben wir – so Architekt Bernd Römer – „gespielt” und in vielfältiger Weise miteinander kombiniert. Entstanden sind eine Vielzahl unterschiedlichster Wohnungen, darunter Maisonette-Wohnungen mit hoher Wohnqualität – alle mit Rheinblick. Die Flächen im Erdgeschoss sind für Gewerbe und kleine Geschäfte ausgerichtet. Die Schaufenster sind arkadenartig zurückgesetzt, so dass zwischen Rhein und Gebäude eine interessante Flanierzone entstanden ist.

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