13.11.2008
Mehr als nur Fassade
Das im Jahr 2006 fertiggestellte Carpricorn Haus basiert auf einem ausgeklügelten energetischen Gesamtkonzept. Der Bauherr, die Mönchengladbacher Capricorn Development GmbH & Co. KG, forderte von den Architekten Gatermann + Schossig ein Gebäude, dessen Primärenergiebedarf um 20 Prozent unter den durch die aktuelle Energieeinsparverordnung vorgegebenen Werten liegt, sowie eine sehr flexible Bürogestaltung. Um dem gerecht zu werden, entschieden sich die Kölner Architekten unter anderem für ein dezentrales, fassadenintegriertes Lüftungssystem. Dieses Konzept bringt nicht nur aus energetischer Sicht viele Vorteile, sondern auch Raumgewinn im Gebäude. Der gesamte Gebäudekomplex wird durch drei Technik-Kerne erschlossen, die nur zehn Prozent der Gesamtfläche auf den Etagen einnehmen. Der Wegfall von Lüftungskanälen unter den Geschossdecken bringt zudem mehr Flexibilität bei der Raumgestaltung. Eine weitere Forderung des Bauherrn war die Schaffung möglichst vieler 1a-Büroflächen mit hohem Nutzerkomfort. Auch diese Vorgabe erfüllten die Architekten, indem sie für das schmale Grundstück eine mäanderförmige Bauform wählten und vier geschossübergreifende, 26 Meter hohe Atrien in den Zwischenräumen integrierten. Die Zahl der Büros mit direktem Tageslichteinfall konnte so deutlich erhöht werden. Zudem schützen die großflächigen Atrien vor Verkehrslärm und tragen zur Regulierung des Gebäudeklimas bei.
Multifunktionale Glasfassade
Ein konstruktives Highlight des Capricorn Hauses ist die so genannte i-modulFassade. Sie gliedert sich in einem Verhältnis von 55 zu 45 Prozent in transparente und opake Bereiche und stellt so sicher, dass das Gebäude im Sommer nicht überhitzt. Die Elementfassde aus Aluminium ist multifunktional und enthält die gesamte notwendige Technik, um das individuelle Raumklima zu steuern. Die opaken Flächen bestehen aus einschaligen Glaselementen, die rückseitig signalrot emailliert sind. Dahinter befinden sich knapp 20 Zentimeter dicke Lüftungseinheiten. Diese Module kühlen, lüften und gewinnen Wärme zurück. Außerdem wurden in die Fassadenpaneele Beleuchtungs-, Schallabsorptions- und Raumakkustikelemente integriert. Die Wärmedämmung erfolgt in den vorgelagerten Fassadenbereich über ein Vacutherm-Paneel. Aufgebaut sind die Fassadeneinheiten in jeweils drei Teile: einem 1,80 Meter hohen, roten Glaspaneel, einem Oberlicht, das nachts zur Kühlung der Räume aufklappt, und einem raumhohen, dreifachverglasten Kastenfenster. Im Erdgeschoss unterscheiden sich die Fassadenelemente durch größere Raumhöhen und durchgängige opake Elemente, in die zur Lüftung nach außen öffnende, hochwärmedämmende Klappen integriert sind.
Die natürliche Belüftung erfolgt in den Regelgeschossen über raumhohe Drehflügelfenster. So können die Nutzer ihr Raumklima je nach Bedarf individuell regeln. Der aus Raffstoren bestehende Sonnenschutz ist in die Kastenfenster integriert und wird nach außen durch eine Prallscheibe vor Witterungseinflüssen geschützt.
Ein wesentlicher Vorteil des innovativen Fassadensystems ist die Möglichkeit der vollständigen Vormontage. Sie steigert nach Aussagen der Architekten die Qualität deutlich, beschleunigt die Montage und gibt zudem mehr Planungssicherheit. Alle 1.100 Fassadenelemente des Capricorn Hauses wurden komplett im Werk vorgefertigt und sozusagen just in time geliefert und montiert.
Geothermische Energiequelle
Trotz ihrer Multifunktionalität reichen die dezentralen Lüftungsmodule in der Fassade allein nicht gänzlich aus, um das Gebäude zu heizen bzw. zu kühlen. Die Grundlast-, Wärme- und Kälteenergieversorgung des Capricorn Hauses erfolgt durch zwei Wärmepumpen in Verbindung mit einer Grundwasserbrunnenanlage als geothermische Energiequelle. Dem über drei Saugbrunnen aufgenommenen Grundwasser entziehen Wärmepumpen die Energie zur Beheizung und Kühlung des Gebäudes. Beides erfolgt über Betonkernaktivierung der Decken. Zusätzlich verfügt das Gebäude über einen Fernwärmeanschluss und eine Kälteerzeugung.

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