23.09.2008
Auf der Suche nach der optimalen Beschattung
Der Mensch braucht zum Leben ausreichend Tageslicht. Er erkennt unbewusst an der Lichtfarbe die Tageszeit. So ist das Morgen- und Abendlicht beispielsweise rötlich. Auch unser Biorhythmus und der Hormonhaushalt werden durch das Tageslicht geregelt. Es ist also das Himmelslicht und nicht das direkte Sonnenlicht, das wir als Tageslicht schätzen und nutzen. Dazu Ing. Hannes Gerstmann, Experte der ARGE Sonnenschutztechnik: „Es reicht auch ein bedeckter Himmel, um Räume mit natürlichem und kostenlosem Licht zu versorgen. Direkte Sonnenstrahlung als Beleuchtungsquelle zu nutzen, ist höchst unangenehm, denn sie blendet das Auge und kann es sogar schädigen!“
Die maximale Strahlungsleistung der Sonne in unseren Breiten beträgt je nach Tages- und Jahreszeit 600 bis 1.000 W/m2. In der wärmeren Jahreshälfte scheint sie bis zu 16 Stunden täglich, während es im Winter oft kaum mehr als acht Stunden sind. Die Sonneneinstrahlung variiert somit zeitlich als auch quantitativ sehr stark, wobei Glas bei flachen Sonnenständen solare Energie leichter durchlässt (bei Wärmeschutzglas ca. 60 Prozent) als bei hochstehender Sonne. Für Gebäude in Österreich bedeutet dies: Mit der höchsten Sonneneinstrahlung ist vom Frühjahr bis Herbst zu rechnen und betrifft mehr oder weniger Ost-, Süd- und Westfassaden. Im Winter erfolgt der Energieeintrag auf Grund des Sonnenlaufes zum Großteil über die Südfenster. Damit die Verglasung nicht das ganze Jahr über „heizt“, braucht sie einen „Energieregler“, quasi ein Thermostat, mit dem das Raumklima in Abhängigkeit vom Außenklima geregelt werden kann. Dieser Energieregler heißt Sonnenschutz. Denn wenn keine Maßnahmen getroffen werden, wirkt das Energie-Überangebot in der warmen Jahreszeit wie ein voll aufgedrehter Radiator; bei einer Glasfläche von zwei Quadratmeter immerhin mit mehr als 1.000 W Heizleistung. Im Winter hingegen kann der „solare Heizkörper“ beträchtlich die Heizkosten senken, vorausgesetzt, die Fenster werden nicht verschattet und die Sonne kann ungehindert in den Raum.
Welcher Sonneschutz ist nun optimal? Sonnenschutz gibt es in vielen Ausprägungen. Es gibt ihn als wegfahrbare Systeme, als auskragende, nicht wegfahrbare Systeme, als vorgesetzte, sichtbare, nicht wegfahrbare Systeme und schlussendlich als nicht sichtbare, nicht wegfahrbare Systeme.
Bei der Auswahl sind laut der ARGE Sonnenschutztechnik mehrere Kriterien zu beachten:
• Die Energiebilanz des Fensters muss optimiert werden (möglichst hoher Eintrag im Winter zu Heizzwecken und möglichst geringer Eintrag im Sommer. Weiters sollte möglichst viel und möglichst lange belebendes Tageslicht genutzt werden (das spart auch Geld, weil die Beleuchtungskosten sinken). Um Kontakt mit der Außenwelt zu halten, sollte eine möglichst freie Sicht nach draußen gewährleistet sein.
• Die Direktblendung durch die Sonne sollte vermieden werden.
Vergleicht man nun diese Anforderungen mit den oben angeführten Systemen, so wird eindeutig klar, dass man auf variable äußere Bedingungen am besten mit variablen Sonnenschutz-Systemen reagieren kann. Starre Lösungen können immer nur einen Teilbereich abdecken, da sie weder geänderten Tages- und Jahreszeiten, noch persönlichen Bedürfnissen angepasst werden können.
Besonders wertvoll sind Sonnenschutzsysteme, die automatisiert betrieben werden, da sie nicht nur ausnehmend bequem zu bedienen sind, sondern auch tagsüber selbsttätig dafür sorgen, dass man am Feierabend behagliches Raumklima vorfindet. Variable und intelligente Sonnenschutzsysteme sorgen somit für gesteigerten Wohnkomfort und mehr Behaglichkeit. Dazu Gerstmann: „Das hat schon ein berühmter Architekturkritiker treffend formuliert: Ein Gebäude, das auf allen Seiten gleich aussieht, kann kein gutes Gebäude sein. Und das gilt meiner Meinung nach auch für den Sonnenschutz! Er muss auf die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen reagieren, damit die Bedingungen im Gebäude komfortabel sind und bleiben.“

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