24.08.2010
Filetstück
Neubau Bürogebäude Die Welle, Wien
Bauherr: RALT Raiffeisen Leasing GmbH & Co KG, Wien
Baubeginn: 2006
Fertigstellung: 2008
Architekt: Prof. Hans Hollein, Wien
Statisches System: Stahlbeton Skelettbau
Glasveredlung und Herstellung: Petschenig glastec GmbH, Leopoldsdorf, www.petschenig.com
Glas-Produkte: „Uniglas®|Phon” Schalldämmisolierglas, „Uniglas®|Sun” Sonnenschutzisolierglas, „Uniglas®|Safe” VSG TVG, „Uniglas®|Emaille”, „Uniglas®|Style Interieur”; www.uniglas.net
Der Architekt, Prof. Hans Hollein, öffnete den Bauherren die Augen. Entstanden ist ein Bürohaus mit einer elegant geschwungenen Glas-Fassade. Tatsächlich war reichlich Phantasie nötig, um die Chancen des Ortes wahrzunehmen: Die Lage unmittelbar an der Wiener Innenstadt ist exzellent, am Ostrand des Stadtparks, den der Fluss durchzieht, der der Stadt den Namen gab, kaum 800 Meter vom Stephansdom entfernt, verkehrstechnisch optimal angeschlossen.
Doch das Grundstück war eigentlich nur der dreieckige Rest zwischen der Rasterfassade eines 62 Meter hohen Hotels von 1972 mit 19 Etagen und dem Verwaltungsgebäude der Raiffeisen Zentralbank Österreich (RZB), hauptsächlich geprägt durch die Rampe einer Tiefgaragenzufahrt – mehr nicht. Der renommierte Wiener Architekt, Prof. Hans Hollein, erkannte die Möglichkeiten des Grundstücks. Schon die erste Skizze umreißt die geschwungene Bauform – der Name des Hauses war geboren: „Die Welle”.
Umfangreiche Vorgaben. Die Rahmenbedingungen für die Bauaufgabe an dieser Stelle waren extrem anspruchsvoll: Störungen des Hotelbetriebs waren zu vermeiden, die am Grundstück mehrspurig vorbeiführende Bundesstraße 1 durfte nicht beeinträchtigt werden, die Funktion der öffentlichen Tiefgarage unter dem Grundstück war aufrecht zu erhalten.
Auch die UNESCO hatte Mitspracherecht, lag das Bauvorhaben doch in der so genannten Pufferzone zum Weltkulturerbe der Wiener Innenstadt. Das Ergebnis ist ein „schwebender” acht-
geschossiger Bau, dessen S-förmige Fassaden-linie perfekt dem Straßenverlauf folgt. Der Neubau ist vollständig aufgeständert – mittels einer sechs Meter hohen Tischkonstruktion über der Oberkante des Terrains (TOK). Die Lasten des Gebäudes sind über Stützpfeiler, die teilweise durch die beiden Geschosse der Tiefgarage geführt sind, in den Baugrund abgetragen. Lediglich zwei Kerne der vertikalen Erschließung sind bis ins Erdgeschoss geführt. Der größere dient mit ca. 200 Quadratmetern als repräsentative Empfangshalle.
Ab dem ersten OG ist ein von der Unterkonstruktion unabhängiger Raster für die Büros aufgesetzt, der variabel gestaltet werden kann und unterschiedliche Raumgrößen und -zuschnitte erlaubt. Im ersten und zweiten OG weitet sich die Gebäudetiefe zum Hotel hin deutlich aus, um Konferenz- und Archivräume aufzunehmen. Im dritten und sechsten Obergeschoss ist der Neubau über verglaste Brücken an das bestehende RZB-Gebäude angeschlossen. „3D”-Spiegel. Die doppelschalige Fassade zum Stadtpark ist ein glastechnisches Highlight: Die äußere Schale ist wie ein überdimensionaler Spiegel ausgebildet. Um die Wirkung nicht zu unterbrechen, fehlen senkrechte Glasprofile. Die geschosshohen Glastafeln ruhen lediglich an der Ober- und Unterkante in Halteprofilen. Um eine allzu starke Durchbiegung bei Wind zu verhindern, sind sie in Brüstungshöhe durch einen kleinen Punkthalter fixiert.
Die Gläser dieser Nur-Glas-Fassade, bestehend aus „Uniglas®|Safe” VSG TVG, erfüllen mehrere Funktionen: Sie schirmen die Büros gegen den Straßenlärm ab und dienen gleichzeitig als Schutz gegen intensiv einstrahlende Nachmittagssonne. Nicht zuletzt sorgen sie für ein reizvolles, nahezu ungestörtes Spiegel-Panorama, in dem der Himmel und der Baumbestand des Stadtparks reflektiert werden. Auch nachts versinkt das Gebäude nicht im Dunkeln: Durch den Wegfall der Spiegelwirkung gewinnt die Fassade räumliche Tiefe. Zusätzlich akzentuieren mit gelben LEDs bestückte Lichtleisten – entsprechend der Hausfarbe der RZB – in den horizontalen Glas-Profilen die plastische Form der Welle und gliedern die Baumasse. Das glastechnische Meisterstück ist das Werk der Petschenig glastec, ein Unternehmen, das, unweit von Wien ansässig, in ganz Europa gefragt ist, wenn glastechnische Spezialitäten und perfekte Lösungen gefragt sind.
Selbstverständlich lieferte der Glasveredler auch alle übrigen Fassadengläser, Ganzglasanlagen sowie emaillierte Gläser, die im Inneren ihre besondere Wirkung entfalten. Um der Spiegel-Fassade einen Abschluss zu vermitteln und die Höhenentwicklung zu begrenzen, sind die beiden obersten Geschosse zurückgesetzt und durch weit auskragende „Flugdächer” – wie Messerklingen fein profiliert – horizontal gegliedert. Büroarbeit findet heute weitestgehend am Computer-Bildschirm statt. Die Arbeitsplätze in der Welle, die zum Stadtpark ausgerichtet sind, dürften sehr begehrt sein, erlauben sie doch einen entspannenden Blick ins Grüne. Die Welle in Wien ist ein städtebaulicher Gewinn, sie kaschiert teilweise Architekturen, die heute weniger Gefallen finden, und gibt dem gepflegten Stadtpark eine neue optische Begrenzung, die jedoch durch die Spiegeleffekte in die Weite aufgelöst ist. Die Welle demonstriert auf überraschende Weise die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten mit Glas.

GLAS
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