27.08.2010
Sommerlicher Rundgang in Glas-Museen
![]() Glasmuseum Herding: Steffen Orlowski, Befreiung, 2008 © Glasmuseum Herding |
Dessen Zagreber Museum birgt eine Fülle von Gläsern, Porzellan, Möbeln, Silbergegenständen und Bildern. Parallel zu den „Prachtware” an Porzellan aus der Zeit des Klassizismus und Biedermeier werden in Wien Gläser gezeigt, die mit ästhetisch ausgewogenen Formen und ausgefallenen Dekors aus böhmischen Glashütten kommen und ebenfalls auf diese Epochen einstimmen. Auf den geschnittenen, bemalten und teilweise vergoldeten Gläsern finden sich Vögel (Anton Kothgasser), Fische, Vögel mit Blumen und Insekten, die höchsten künstlerischen Ansprüchen genügen.
Der Direktor Dr. Johann Kräftner: „Das Sammelgut gibt einen Einblick in die Vielschichtigkeit der Interessen Veljko Martons, aber auch in die Künste einer wandelbaren Zeit, die sich am Spiel mit Materialien vergnügte und sich, vielleicht mehr denn je, der dekorativen Künste bediente, um ihren Umbrüchen Gestalt zu geben.” Das Museum für Glaskunst in Lauscha, Thüringen, zeigt die Verbindung zwischen Beinglas und Porzellanmalerei auf. Anlass ist die Großausstellung „250 Jahre Porzellan aus Thüringen” , die an verschiedenen Orten in Deutschland gezeigt wird. Aus den Sammlungsbeständen präsentiert das Museum in Lauscha so genannte Beingläser, die Porzellan imitieren sollten. Die Exponate zeigen Beinglas als eigenständige Variation der Glasherstellung und Gestaltung inbezug auf Form und Dekor.
Die Venezianer hatten Milchglas seit dem 16. Jahrhundert in Gebrauch. Um die milchige Trübung zu erzeugen, setzten sie dem Rohstoff Blei, Zinnoxid, Knochenasche (Kalziumfluorphosphat) oder Hirschhorn und andere Mittel zu. Da die Rezeptur des Porzellans noch nicht bekannt war, schmolzen manche thüringische Hütten Milchglas, um Porzellan vorzutäuschen. Namentlich bekannt sind die Hütten in Eisfeld, Henriettenthal, Ilmenau, wozu auch Lauscha zählt – alle aus dem 18. Jahrhundert. Als das Arcanum des Porzellans entdeckt war und die Produktion langsam anlief, schlief das Interesse an Milchgläsern wieder ein.
Direktor Günter Schlüter: „Der hohe Grad der Verwechselbarkeit mit Porzellan und die anspruchsvolle Dekorgestaltung durch Verwendung von Emailfarben sprechen für sich. Sie sind Ausdruck höchster gestalterischer Leistungen bei der Herstellung von Porzellanimitaten.” Zeitgenössisches Lampenglas aus fünf Nationen zeigt diesmal das Glasmuseum Alter Hof Herding in Coesfeld. Lampenglas, geblasen vor einer Öllampe und später vor einem Gasbrenner, ist eine alte Technik, die es ermöglichte, Perlen für Bijouterie, Miniaturen, Christbaumschmuck und kleinformatige Gefäße perfekt zu gestalten.
Arrivierte Künstler des 20. Jahrhunderts haben die Technik weiterentwickelt und mit neuen Impulsen zum Teil großformatige Glasskulpturen geschaffen. Kugelförmige Gebilde aus Glasfäden (Mauro Bonaventura), Glasstacheln auf einer Silikon-Matrix (Dafna Kaffeman), technisch vielseitige Gefäße (Richard Meitner), aus Silber gegossene Miniaturfiguren in Räumen aus Glas (Steffen Orlowski), Glasröhrchen und kleine Zweige (Olga Pusztay) und Glasstäbe in der Flamme verstrickt und netzartig aufgebaut (Nadja Recknagel), geben Einblick in die kreativen und technisch perfekt gestalteten Glas-Variationen in ungeahnter Bandbreite.






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