01.08.2010
Eine vertikale Stadt
Leben und Forschen im High-Tech-Gebäude: Mehr als 40.000
Quadratmeter Sonnenschutzglas mit Multifunktion bekleiden Kisho Kurokawas „Layered City" in Singapur.
Die neue Adresse für Zukunftstechnologien und futuristischen Lifestyle sind die drei Türme des „Fusionopolis" in Singapur. Auf bis zu 24 Etagen und 120.000 Quadratmetern entwarf der japanische Stararchitekt Dr. Kisho Kurokawa eine so genannte „layered city". Hier kommt in vertikaler Ausrichtung alles zusammen, was sonst nur eine Stadt auf versiegelter Fläche ihren Bewohnern bietet: Arbeitsplätze, offene Dachgärten, Einzelhandel, Behörden, Appartements, Restaurants und ein Fitnessstudio mit Dachpool. Fusionopolis ist ein imposantes Beispiel für nachhaltige Architektur. Eine besonders vielfältige Glasfassade sorgt wahlweise für Sonnen- und Blickschutz oder punktet mit besonderem Design. Je nach Anforderung des jeweiligen Gebäudeteils kommen mehr als 40.000 Quadratmeter „ipasol" Sonnenschutzglas zum Einsatz – mit Siebdruck individuell gestaltet oder auf grauem Substrat: Glasarchitektur mit kreativer Optik und gezielt angewandter Multifunktion.
In zwei Phasen wächst in Singapur das neue Wissenschaftszentrum mit den Annehmlichkeiten einer modernen Stadt. Fusionopolis, das Zentrum für Forschung und Entwicklung, bildet mit dem angrenzenden „Biopolis" (Medizin und Biotechnologie) die Basis des neuen High-Tech-Viertels „One North". Sechs weitere Gebäude kommen in einer späteren Bauphase hinzu. Ein Blick in die Mieter-Liste zeigt die Konzentration modernster Technologie: „Platform Computing Singapore" erforscht z. B. neue Wege der Vernetzung von Computern. „Thales Technology" entwickelt Luft- und Raumfahrttechnik und „Linden Research Singapore" ist Zweigstelle von Linden Labs, den Schöpfern der virtuellen Welt „Second Life". Der Öffentlichkeit stehen Shopping Malls, Gastronomie, bewirtschaftete Appartements und grüne Dachgärten offen. Mieter und Geschäftspartner profitieren zudem von zahlreichen Konferenzräumen oder halten sich im Fitness-Club in Form.
Glashaut trotzt Hitze und Stürmen.
Das jeweilige Zentrum der Türme ist bewusst offen und leer – unterstützt durch Filteranlagen wird es zum vertikalen Frischluftkanal für saubere Luft in jeder Etage. Die Structural Glazing Vorhangfassade verhindert die Übertragung selbst starker Windlasten auf die innere Konstruktion. Die horizontalen Glas- oder Paneel-Kanten sind mechanisch gesichert, die vertikalen sind mit Spezial Silikon auf dem Adapterrahmen befestigt. Zusätzlich kommt eine Punkthalterung an den vertikalen Verbindungsstellen zum Einsatz. Das Resultat: Hohe mechanische Sicherheit, Abführung der dynamischen Kräfte sowohl über den Siliconklebstoff als auch über die mechanische Sicherung. Die eingesetzten Metalldeckleisten lockern zudem – als gestalterisches Element – die Fassadenoptik auf.
Unzweifelhaft eines der optisches Highlights ist das zwischen den Türmen des Fusio-nopolis „schwebende" ovale „Auditorium", ein experimentelles Theater für 350 Personen. Den direkten Übergang zwischen den Türmen – teilweise in schwindelnder Höhe – gewähren zahlreiche verglaste „Skybridges".
Glasaufbau mit Multifunktion.
Beim Fusionopolis sorgt der spezielle Scheibenaufbau für Sonnen- und Wärmeschutz, Sichtschutz und physikalischen Widerstand:
Die Türme stehen relativ nah zusammen und deshalb muss sowohl die Privatsphäre geschützt, als auch der szenische Ausblick für die Bewohner gewahrt werden. Die Lösung: Wo ein Büroteil einem Appartement gegenüber liegt, ist die Außenwand des Büros ein Stück weit in der Fassade zurückgesetzt und Dachgärten bilden eine optische Pufferzone. Die äußere Scheibe der Fassadenverglasung ist an diesen Stellen zudem mit einem ausgeklügelten Siebdruckmuster versehen, das sich zur Scheibenmitte hin verjüngt. So bleibt der Blick von innen nach außen möglich, während der Blick von außen nach innen erschwert wird. Die so strukturierten 30.000 Quadratmeter der Fassade bestehen aus teilvorgespanntem Glas (TVG) in der Außenscheibe. 38 Prozent der Glasfläche ist bedruckt – in Kombination mit der speziellen „ipasol" Sonnenschutzbeschichtung ergibt sich ein g-Wert von nur 18 Prozent – ermittelt vom Fraunhofer ISE (Freiburg). Die im Aufbau innen gelegene Scheibe besteht aus Verbundsicherheitsglas (VSG 10).
Weitere 9.000 Quadratmeter teilvorgespanntes Glas mit Siebdruck wurden aus opti-schen Gründen mit weißem Blech hinterlegt oder dienen als Brüstungen in einigen außenliegenden Arealen. In den Appartements kommt teilweise auch ein „ipasol"-Typ mit höherer Lichttransmission („ipasol neutral 73/42") zum Einsatz, der aus optischen Gründen auf grau nuanciertem Glassubstrat aufgebracht wurde. Diese Kombination sorgt für die optische Auflockerung der überwiegend weißen Fassade des Gebäudes und erschwert den Einblick von außen. Von innen ist ein guter Ausblick dennoch gewährleistet. In Verbindung mit Grauglas
(8 mm) sinkt der g-Wert auf 26 Prozent (nach EN 410) – das reduziert den Aufwand für die Klimatisierung erheblich.
Bautafel
Objekt: Fusionopolis, Phase I
Objektadresse: Ayer Rajah Avenue, Singapur
Bauherr: Jerome Town Council (JTC), Singapur
Metallbauer: YKK AP Facade PTE. LTD., Singapur
Architekt: Kisho Kurokawa Architects & Associates
Glasprodukte: „ipasol 73/42" auf grauem Glassubstrat, „ipasol" Sondertyp mit Siebdruck
Glasveredler: Interpane Plattling, D

GLAS
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